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Einen Druckknopf auf's Aug' gedrückt bekommen

Der Mensch drückt gerne auf einen Knopf, das verleiht dem Drückenden eine gewisse Wichtigkeit. Überhaupt Kinder streiten sich gerne, wer draufdrücken darf. Doch manchmal wird man durch einen Druckknopf auch ganz schön abgespeist.

In gewisser Weise ist es nur eine Kleinigkeit, ein neuer Druckknopf. Er kostet nicht die Welt, wird für niemanden lebensbestimmend sein und ist eben auch nur recht klein. Aber das interessante daran ist, dass er etwas über diejenigen Leute aussagt, die ihn initiiert haben, wobei es durchaus sein könnte, dass sich diese Personen gar nichts dabei gedacht haben, was die Sache aber bekanntlich nicht besser macht. Jedenfalls wird an dieser Stelle sichtbar, dass die Anliegen der schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen, also der FußgängerInnen und RadfahrerInnen, von den Verantwortlichen einmal mehr übergangen wurden, aber anders wäre es ja fast schon überraschend.

Die Ampelanlagen entlang der B3 wurden in den vergangenen Wochen im Raum Korneuburg erneuert, so auch jene an der Kreuzung mit der Franz Weymanngasse, das ist jene Kreuzung an der Gemeindegrenze zwischen Bisamberg und Langenzersdorf, wo man von Korneuburg kommend in Richtung Tuttendörfl abbiegen kann. Seit vielen Jahren gibt es dort an allen vier in die Kreuzung einmündenden Straßen Radwege und dazugehörende Ampeln für FußgängerInnen und RadfahrerInnen.

Die Autos fahren, alle anderen haben Dauerrot

Neu ist nun, dass es für die FußgängerInnen und RadfahrerInnen für das Überqueren der B3 jeweils Druckknöpfe gibt, damit sich diese anmelden können. Und dies macht das Benützen für die schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen erheblich umständlicher. Denn, erreicht man während einer Grünphase die Ampel, leuchtet jene für die FußgängerInnen und RadfahrerInnen trotzdem rot. Man hat sich nämlich per Knopfdruck anzumelden, und wenn die Ampelanlage einen kompletten Phasendurchlauf absolviert hat, erhält man – gnadenhalber – grün!

Eigentlich eine Zumutung, die noch dazu zeigt, dass die Verantwortlichen die Situation nicht aus Sicht der schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen durchdacht haben dürften. Niemals würden sich das die AutofahrerInnen gefallen lassen, dass sie jedes Mal anhalten müssen, einen Druckknopf zu betätigen hätten, und erst danach mit der nächsten Grünphase freie Fahrt erhalten.

Viele queren nun bei Rot

Doch was bewirkt eine solche Einrichtung in der Praxis? Man kann beobachten, dass jene RadlerInnen, die häufig diese Kreuzung passieren, nicht mehr den Radweg benützen, sondern auf der Hauptfahrbahn bleiben, um eine Grünphase direkt nutzen zu können. Dies ist gesetzlich nicht gedeckt, da wir in Österreich die Radwegbenützungspflicht haben. Manche RadlerInnen fahren auch einfach bei Rot über die Kreuzung, beides kann von den Verantwortlichen offensichtlich nicht so beabsichtigt gewesen sein.

Eine umweltfreundliche Verkehrsplanung setzt voraus, dass jene Personen, die an den Planungsprozessen beteiligt sind, solche Situationen aus der Sicht aller VerkehrsteilnehmerInnen beurteilen können. Den Radverkehr attraktiver zu gestalten ist selten mit hohen Kosten verbunden. Vielfach sind es kleine Maßnahmen, die den Radelnden sehr hilfreich sein könnten. In diesem Fall wäre sogar eine billigere Lösung für die schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen die bessere gewesen, nämlich ganz auf die Druckknopfkasteln zu verzichten.

Aber wer sich umweltbewusst fortbewegt, keinen Lärm macht, keine Abgase erzeugt und kaum Platz verbraucht wird scheinbar nur wenig wahrgenommen und darf sich nicht zu viel erhoffen. Und genau dafür sollte es einen Druckknopf geben!

Text und Photos: Richard Stawa.

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